Bayern hilf!

Der 1990 gegründete Müritz – Nationalpark, in dem innerhalb von 4 Wochen Wald bereits zum zweiten Mal brennt, ist 322 km² groß. Um Besuchern diese große Fläche anschaulich zu machen, ist folgender Vergleich hilfreich: Die Nationalparkfläche ist in etwa so groß wie die Stadt München. Was hat Mecklenburg-Vorpommern noch mit Bayern gemeinsam? Bereits 1970 wurde im Bayerischen Wald der erste Nationalpark in Deutschland gegründet, 20 Jahre vor dem Müritz-Nationalpark. Dieser ist ein Drittel kleiner, Bayern stattet den Bayerischen Wald aber mit über 200 Mitarbeiter aus. Tatsache ist, dass im Müritz-Nationalpark momentan nur knapp 70 Personen beschäftigt sind. Die Waldbrände sind ein Indiz dafür, dass kein ausreichendes Management des Nationalparks mehr möglich ist.

Würden in Hinblick auf das Personal bayrische Verhältnisse an der Müritz herrschen, wären umgerechnet 300 Menschen beim Nationalpark beschäftigt. Flächengröße in Beziehung zur Personalstärke eines Nationalparks ist natürlich nur ein, aber dennoch ein wichtiges Kriterium, um festzustellen, ob ein Nationalpark gut gemanagt wird. Klar ist, 70 Menschen für den größten Land-Nationalpark in Deutschland sind definitiv zu wenig. Kommen wir zurück nach München: Hier wettert Dr. Markus Söder bei passender Gelegenheit, dass Bayern im Länderfinanzausglich viel Geld in ärmere Bundesländer, wie z. B. Mecklenburg-Vorpommern überweisen muss. Und hier leistet sich unser Bundesland nach Meinung von Herrn Söder manchen Luxus, den es in Bayern gibt. Das Management eines Nationalparks ist kein Luxus, sondern eine Verpflichtung zur Bewahrung eines universellen Wertes und eines nationalen sowie europäischen Schutzgebietes. Dies weiß man in Bayern offenbar besser als in MV.

Deswegen hier der Hilferuf an Dr. Markus Söder, den bayerischen Ministerpräsidenten: Schickt Euer bayerisches Geld nur noch mit der Auflage für Frau Schwesig nach MV, dieses in die Großschutzgebiete des Landes zu stecken, solange bis zum effektiven Schutz der Natur endlich bayerische Verhältnisse erreicht sind!

Ob es klappt?

https://www.deutschlandfunkkultur.de/baeume-umarmen-reicht-nicht-symbolpolitik-im-bayerischen-100.html

Features

Der Flaschen-Nationalpark

In der Nähe von Kratzeburg habe ich am Ufer des Krummen Sees eine Limoflasche gefunden, die – nachdem ein Zeitgenosse diese weggeworfen hatte – ein Eigenleben führte. Organisches Material in Form einer Rests des süßen Getränks gab den Impuls für eine Entwicklung, die sich im Miniformat mit Gewächshäusern in Botanischen Gärten messen kann.

Ungeklärte Fragen bleiben: Wie viel Zeit war erforderlich, um sinnbildlich einen Liter biologische Vielfalt zu erschaffen? Einziger Anhaltspunkt: Weniger als 30 Jahre, denn diese Flaschenform war in der DDR nicht üblich.

Wie viele Tier- und Pflanzenarten bevölkern diesen Kosmos, der sich über die Jahre fast auf den ganzen Flaschenboden ausgedehnt hat?

Von Menschen unbeeinflusste Naturentwicklung – was sich im Müritz-Nationalpark im Großen auf fast 322 km² Fläche abspielen darf, passierte auch zeitgleich auf 0,0192 m².

Die Wildnis in der Flasche habe ich in unseren Garten verfrachtet: War das richtig? War die Wildnis in der Flasche nicht auf die Wildnis am Krummen See angewiesen? Oder bot die Entnahme der Flasche an dieser Stelle die Chance, dass sich hier Vegetation ohne den Einfluss des Glasbehälters seitdem wieder natürlich entwickeln kann? Fast schon eine naturphilosphische Frage.

Soweit ich das mit bloßen Augen beurteilen kann, kommen seit 2 Jahren die Moose und Farne als markanteste Pflanzen in der Limoflasche auch in unserem Garten zurecht.

Tut man so, als sei diese Flasche eine künstlerische Installation, erinnert diese an ein Werk, das 2009 im Kunstmuseum Bonn gezeigt worden ist. Hier hat Walter Kütz seit 2000 mehrere Terrarien aus Glas mit Moosen zu einem großen Turm gruppiert, in dem man an einer Seite tiefer hineinschauen konnte. Deswegen der Titel „Probesitzen im H.c. (Hortus conclusus = geschlossener Garten)

http://www.kuetz.com/hortus-conclusus1.html

Bemerkenswert ist, dass sich mit der Flasche die Natur ohne menschliche Wirkung selbst ein Kunstwerk geschaffen hat, während Walter Kütz das Ganze mit Glasbehältern, Pflanzen und Neonröhren aufwändig erschaffen musste.

Wildnisflasche und Hortus conclusus haben gemeinsam, auf die Begrenztheit von Natur aufmerksam zu machen und manchmal gelingt das meiner Meinung nach mit einem Zufallsfund sogar besser.